Stille im Kreißsaal – Worüber niemand spricht
Shownotes
Die meisten verbinden den Kreißsaal mit dem Beginn eines neuen Lebens. Doch manchmal fallen dort Geburt und Abschied zusammen. Hebamme Paulina Stumpf erzählt, wie sie stille Geburten nach der bewussten Beendigung einer Schwangerschaft begleitet und dabei sowohl für die Eltern als auch für das Kind einen würdevollen Abschied schafft. Gleichzeitig ist es ihr ein Anliegen, über die Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen nach der medizinischen Indikation aufzuklären. Denn die traurige Realität von Spätabbrüchen betrifft nicht nur die unmittelbar betroffenen Familien, sondern wirft Fragen auf, die uns alle angehen: Wie schaffen wir eine Gesellschaft, in der auch schwaches und verletzliches Leben willkommen ist?
Moderatorin: Lea Steins Moderatorin: Judith Khoury Interviewpartner: Paulina Stumpf Produktion: Simon Kepper
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00:00:01: Mein Anliegen ist dann in der Situation, ja die Frau oder das Paar zu sehen wahrzunehmen und ihr dann meine Annahme und Liebe auch zu geben.
00:00:31: Und darüber, wie Leben Trotzbrüche gelingen kann.
00:00:42: Ich bin Lea und mit mir in diesem Podcast ist wieder meine liebe Kollegin und Freundin Judith.
00:00:48: Ja ein herzliches Hallo auch von meiner Seite!
00:00:52: Heute geht es um ein Thema das buchstäblich unter die Haut geht Ein ungemütliches In der Öffentlichkeit unserer Wahrnehmung nach leider kaum diskutiertes aber ein sehr reales Thema Und es erfordert ganz großes Feingefühl, denn es betrifft existenzielle sensible und persönliche Fragen.
00:01:16: Wir möchten darüber sprechen was es mit Einzelnen und uns als Gesellschaften macht wenn Schwangerschaften nach der medizinischen Indikation im mittleren oder sogar späten Trimester bewusst abgebrochen werden zum Beispiel weil im Ultraschall eine Behinderung festgestellt wurde.
00:01:35: In der Medizin spricht man dabei auf natinisch vom sogenannten Pheto-Zit im Alltag oft von sogenannten Spätabbrüchen.
00:01:45: Und für dieses Thema haben wir eine absolute Expertin gefunden, die so wie wir das sehen, das Herz am richtigen Fleck hat und die sehr geeignet ist zu einem äußerst sensiblen Thema Auskunft zu geben.
00:01:59: Liebe Paulina, schön dass du dich bereit erklärt hast aus deiner Praxis als Hebamme zu berichten!
00:02:06: Ja, vielen Dank.
00:02:07: Ich freue mich dabei zu sein und bin sehr gespannt auf das Gespräch mit euch!
00:02:35: Tatsächlich war das überhaupt nicht mein Traumberuf, weil der Beruf als Hebamme irgendwie auch ganz lange gar nicht so präsent war in meinem Kopf.
00:02:43: Ich wollte ganz lange Kinderärztin werden eigentlich über die ganze Schulzeit hinweg und habe dann aber ja leider keinen Platz bekommen für das Studium.
00:02:53: hab dann erst einen FSJ gemacht im Krankenhaus um die Zeit ein bisschen zu überbrücken.
00:03:00: Ja, bin dann so von einem zum anderen gekommen.
00:03:01: War doch noch als Oper in Italien und habe ein anderes Studium begonnen Und irgendwie immer auf dem Platz für das Medizinstudium gewartet Dann aber nach einer Zeit doch irgendwie gemerkt okay vielleicht ist es nicht der Weg hab aber einfach auch so dieses medizinische vermisst weil ich dann in der zeit In einem studium war Germanistik und Biologie auf Lehramt und einfach gemerkt mir fehlt dieses klinische setting diese unruhe und hektik im krankenhaus.
00:03:27: Ja, man würde vielleicht sagen über Umwege bin ich dann auf den Beruf der Hebamme gestoßen.
00:03:31: Wobei ich jetzt im Nachhinein lustigerweise ja sagen würde dass es doch alles gut gepasst hat.
00:03:36: Ich habe in der achten Klasse und Schulpraktikum schon auf einer Wöchnerin Station gemacht Und auch mein FSJ hab' ich damals tatsächlich auf einer wöcheneren Station gemacht.
00:03:44: Das kam dann alles irgendwie zusammen Und an der Stelle sollte ich auch nicht vergessen, dass ich als Kind damals schon eine Barbie-Puppe mit schwangerem Bauch geschenkt bekommen habe.
00:03:54: Wo man den Bauch drehen konnte und da dann Baby drin war.
00:03:57: Also das heißt... Es war nicht mein Traumberuf aber es hat sich dann alles so gut ergeben!
00:04:04: Unsere Hörer können dich ja gerade nicht sehen.
00:04:07: für uns ist es ziemlich offensichtlich und wir hoffen wir dürfen das einfach so sagen.
00:04:10: Aber du bist ja selbst grade Schwanger Und bis zum Geburtstermin ist es nicht mehr lang.
00:04:15: Wie ist das denn für dich als Hebamme, diesen Prozess selbst zu erleben?
00:04:20: Zum ersten Mal selbst zu erleben nachdem du schon so viele Frauen dabei begleitet hast?
00:04:26: hat sich deine Sicht auf Schwangerschaft dadurch verändert dass du's jetzt am eigenen Leib erlebt.
00:04:34: genau mein Mann und ich erwarten in den nächsten Wochen unsere erste Tochter.
00:04:38: Und die meiste Frage oder die häufigst gestellte Frage, die mir so begegnet in den letzten Wochen ist eigentlich hast du Angst vor der Geburt?
00:04:46: Wenn du selber schon so viele Geburten erlebt hast.
00:04:49: Ich muss sagen ich bin tatsächlich sehr entspannt und erlebe es gerade eher so dass mir meine Erfahrung und mein Wissen eine gewisse Sicherheit geben und ich die Schwangerschaft genießen kann Und ich neu auch wieder erleben darf, was das für ein absolutes Wunder ist.
00:05:04: Dass in einem Menschen ein neuer Mensch heranwächst.
00:05:07: Deswegen hat sich die Sicht gar nicht unbedingt verändert, sondern eher bestätigt, dass man sich von außen betrachten durfte.
00:05:13: Darf ich jetzt so am eigenen Leib erfahren und da so die körperlichen Veränderungen einfach zu erleben, die ersten Tritte zu spüren?
00:05:21: Das ist schon irgendwie ja einzigartig und echt so ein Wunder.
00:05:25: total schön, dasselbe mal erleben zu können.
00:05:28: Und es natürlich spannend die Tipps, die man so seinen eigenen Schwangeren in den Vorsorgen gibt.
00:05:35: Dass man die jetzt selber anwendet und auch einfach mal selber testet auf das wirklich hilft.
00:05:39: Und ja ich denke im weiteren Verlauf auch der nächsten Jahre meine Arbeit wird mir das helfen und einfach eine Bereicherung sein dass sich das selber erlebt habe gewisse Beschwerden und Symptome vielleicht jetzt auch das erste Mal selber erlebt haben und dann noch mehr weiß worüber ich spreche.
00:05:57: Und eine Sache, die mir zuletzt auch noch begegnet ist.
00:05:59: Es ist tatsächlich eine Begegnung, die mein Mann hatte von der er mir erzählt hat.
00:06:03: Der war auf einem Junggesellenabschied und da gab es ne Vorstellungsrunde ... Er sagte, er wäre verheiratet und ist Vater einer Tochter, die er aber erst in ein paar Wochen kennenlernt.
00:06:14: Das hatten wir irgendwie so einen neuen Impuls gegeben über Muttersein- und Elternschaft nachzudenken.
00:06:21: Das sind natürlich Sachen, die man generell mal hört, über die man sich Gedanken macht.
00:06:25: Aber wenn man selber schwanger ist, macht man sich Gedanken darüber.
00:06:28: Das fand ich total spannend.
00:06:29: Darüber nachzudenken, ab wann bin ich denn Mutter?
00:06:32: Wann fängt das an da?
00:06:33: Ich sage, ich habe eine Tochter oder werde eine Tochda bekommen.
00:06:37: Es war noch mal ein spannender Impuls, den ich irgendwie so mitgenommen hab und den ich mittragen möchte, darüber nachzdenken, wann beginnt für mich eigentlich das Leben?
00:06:45: Und da jetzt auch sagen zu können ja, ich bin schon Mutter!
00:06:47: Ich habe meine Tochter aber ich hab sie noch nicht kennengelernt.
00:06:51: Stark, interessante Impulse... Geh nochmal zurück an den Anfang deiner Ausbildung.
00:06:59: Du bist ja mit bestimmten Erwartungen in diese Berufsausbildung zur Hebamme gegangen.
00:07:06: Wie war das für dich, als du dann deine Ausbildung begonnen hast?
00:07:09: Hat sich dein Blick auf den Beruf der Hebammen noch mal verändert?
00:07:13: Ja, auf jeden Fall.
00:07:14: Also das was ich jetzt ja auch erlebe ist wenn ich in ein Umfeld komme und man sich vorstellt und man irgendwie dann hört dass ich Hebamme bin Dann begegnen mir sehr viele positive Reaktionen also die Freude darüber dass ich mit Babys arbeite Dass ich helfen darf das neues Leben auf die Welt kommt.
00:07:33: Und das war so immer meine erste Mein erster Gedanke über den Beruf als Hebamme.
00:07:41: Und so bin ich auch in dieser Ausbildung gestartet, was sicherlich gut und positiv ist.
00:07:45: Dennoch habe ich da schnell erfahren, dass der Beruf der Hebammer nicht nur mit neuem Leben zu tun hat, sondern auch mit Krankheit, mit Tod, mit Abbrüchen einer Schwangerschaft.
00:07:58: Das war das eine, dass ich das für mich neu sortieren durfte.
00:08:04: Wie denke ich über den Beruf und was hat das für Konsequenzen?
00:08:07: Für meinen Alltag, wie ich den Beruf ausüben möchte.
00:08:10: Und gleichzeitig aber auch zu erleben, dass da ja auch andere Schülerinnen mit mir in der Klasse sitzen, Lehrerinnen, dann Kolleginnen die ich im Krankenhaus kennenlernen durfte, die auch nochmal ihre ganz eigene Sicht haben.
00:08:23: Das war so der größte Punkt wo ich gemerkt habe okay nicht jede Hebamme, nicht jede Person die Hebammer werden möchte hat genau diese Sicht auf das Leben wie ich die Sicht habe.
00:08:35: Und ja, das war erst mal so ein Punkt wo ich schauen musste wie ich damit umgehe und das einfach für mich auch zu sortieren.
00:08:44: Hat dich das verunsichert in deiner Berufswahl?
00:08:47: Verunsicherd würde ich nicht sagen.
00:08:50: Ich glaube es war schon immer meine Stärke dass ich mich mit Themen die mich interessiert haben beschäftigt habe und mir dann auch gut eine Meinung darüber bilden konnte und ich glaub zu reflektieren und neu darüber nachzudenken, was das Leben für mich bedeutet.
00:09:08: Wo leben anfängt wie ich mit Krankheit und Tod umgehe?
00:09:11: Und diese Meinung die ich dann irgendwie auch neu für mich entdecken durfte auch mit in das Gespräch mit reinzunehmen.
00:09:19: Das war herausfordernd und dennoch habe ich es als sehr wertschätzend weiterbringt erlebt da auch einen Austausch zu gehen eine andere Meinung haben, die meine Meinung dann vielleicht auch so nicht akzeptieren und nicht so sehen.
00:09:33: Und dennoch würde ich rückblickend sagen dass sich dein Pulse geben durfte, die anders waren und die sicherlich auch zum Nachdenken gebracht haben.
00:09:42: Du hast es gerade schon erwähnt das du auch mit dem Tod in Berührung kommst in deinem Job?
00:09:48: Das betrifft auch Schwangerschaftsabbrüche.
00:09:55: Was sind denn Gründe dafür, dass solche Spätabbrüche vorgenommen werden?
00:10:01: Rheinrechtlich muss man an der Stelle sagen, dass ein Schwangerschaftsabbruch ausschließlich aufgrund einer mütterlichen Indikation durchgeführt werden darf.
00:10:13: Auch wenn es in der Realität oft die Diagnosen des Kindes ist, ist das seit deiner Zeit in Deutschland der Abbruch aufgrund einer mütterlichen Indikation stattfindet.
00:10:25: Das bedeutet, wenn es eine fetale Diagnose gibt die vielleicht sehr schwer ausfällt dann würde es juristisch bedeuten oder juristische würde man sagen dass die Mutter oder die Schwangere körperlich oder psychisch gefährdet ist und man deswegen eben den Schwangerschaftsabbruch vornehmend.
00:10:46: In der Realität sieht das anders aus.
00:10:48: Und es sind dann eben doch die fetalen Diagnosen, das sind tatsächlich so achtzig bis neunzig Prozent geht man ungefähr davon aus dass das der Anteil ist und da sind dann Trisomien also Trisomie ein zwanzig das sogenannte Down-Syndrom, Trisomy Achtzehn Dreizehn schwerwiegende Herzfehler andere Symdrome Fehlbildung am Gehirn.
00:11:09: und ja da merkt man schon dass das ein sehr kontroverses Thema ist als das in den letzten Jahren geändert wurde.
00:11:16: Dass es nicht mehr aufgrund der Fethallendiagnose ist, war da ein guter Wille hinter, um eben auch ein behindertes Leben als schützenswert anzusehen.
00:11:27: und doch sieht man in der Realität heute, dass es die Fethalendiagnosen sind, die dazu führen.
00:11:34: Es ist ein kontroverses Thema, aber wie gesagt es gibt unterschiedliche Gründe.
00:11:38: Der Hauptgrund sind da eben die fehlteilen Diagnosen, die ganz unterschiedlich aussehen können.
00:11:42: juristisch gesehen wäre es eine Indikation der mütterlichen Seite.
00:11:48: Man hört ja von Speldabbrüchen eigentlich nur sehr wenig.
00:11:52: in der Öffentlichkeit und auch im Bekanntenkreis habe ich davon noch nie oder nur ganz selten gehört.
00:12:02: Ist das wirklich so selten oder was sind die Gründe dafür?
00:12:06: Also ich war mit Beginn meiner Ausbildung und meinen Praktikumsphasen im Krankenhaus dann auch sehr überrascht, wie oft dann doch Abbrüche stattfinden.
00:12:16: Weil es mir nämlich genauso ging wie dir, dass mir das vorher nicht so bewusst war.
00:12:20: Das ist kein Thema, was man irgendwie beim Kaffee trinken mal bespricht oder in der Öffentlichkeit hört.
00:12:26: Ich glaube, dass da immer noch ... Es fehlt dann Aufklärung an guter Begleitung auch von Schwangeren und Paaren.
00:12:33: Von Möglichkeiten die es gibt.
00:12:35: Wie gesagt dernoch bin ich total überrascht wie hoch die Zahl ist.
00:12:39: also in Deutschland haben wir jetzt die letzten Jahre ja so eine zahl die auf jeden fall über hunderttausend Abbrüchen jährlich liegt.
00:12:46: damit sind alle abbrüche Gezählt auch eben die vor der zwölfenwoche.
00:12:51: Die spätabbrücher machen so ein anteil von drei prozent aus.
00:12:55: Dennoch finde ich, ist das ein Riesensumme und es betrifft einige Frauen in unserer Gesellschaft.
00:13:01: Es betrifgt Frauen in unsere Nachbarschaft eventuell auch im Freundeskreis Und ich glaube dass das Schamgefühl einfach ja sehr hoch ist und dass es da eben keine guten Mittel gibt um darüber ins Gespräch zu kommen.
00:13:14: Gute Begleitung gute Hilfestellung Ja und ob das jetzt die drei Prozent sind die den spät abort machen ist letztlich dann nur in Anführungszeichen eine Zahl, also dieser Begriff spät Abort oder Spätabbruch ab der zwölfen Woche ist ja letztlich auch irgendwie eine juristisch-politische Entscheidung gewesen die irgendwann mal getroffen wurde.
00:13:36: Deswegen finde ich es an der Stelle wichtig einfach die Gesamtzahl zu sehen dass wir über hunderttausend Abbrüche jährlich haben Und dass das ein Thema ist, was relevant ist.
00:13:48: Was Frauen in unserer Gesellschaft betrifft und einfach viel zu selten thematisiert wird.
00:13:53: Es ist irgendwie ein Riesenthema, was nicht zum Thema gemacht wird.
00:13:57: Wir kommen auch gleich noch darauf zu sprechen, was es eigentlich mit Frauen und Eltern macht, wenn sie so etwas erleben?
00:14:04: Das ist natürlich auch die Schwierigkeit, wie gibt es da Raum für einen Trauerprozess überhaupt, wenig in der Öffentlichkeit erscheint.
00:14:15: Und kann man da Räume vielleicht auch schaffen, Abschiedsrituale?
00:14:20: Wenn es doch ein Thema ist, was mit so viel Scham behaftet ist ... Aber erst einmal, wir sprechen ja jetzt von diesem Spätabbruch.
00:14:31: Was genau ist das eigentlich?
00:14:32: Wie läuft so ein Spät-Abbruch ab?
00:14:34: Kannst du das uns mal ein bisschen erklären?
00:14:36: Ja!
00:14:38: Der Ablauf eines Spätabbruchs ist stark zu differenzieren, abhängig von der Schwangerschaftswoche.
00:14:44: Wenn wir jetzt von einem Abruch in der Früh-Schwangerschaft sprechen ... Alles was vor der zwölfen Woche passiert wird der Embryo in gezielten Kliniken ausgeschabt oder abgesaugt und alles was eben dann wirklich im Bereich des Spätappbruchs geht.
00:15:00: Also alles ab der zwelfen bis vierzehnten Woche muss man individuell schauen die Absaugung oder die Ausschabung eben risikoreicher wird, weil natürlich der Embryo dann der Fetus einfach größer wird und man dann ganz individuell schauen muss was die Möglichkeit ist.
00:15:19: Die zweite Möglichkeit in dem Fall wäre eine medikamentöse Einleitung und dann eine vaginale Geburt des Fetus.
00:15:27: Und das Ganze findet allerspätestens dann ab der zwanzigsten Woche auf jeden Fall statt.
00:15:33: Da ist der Fetus so groß, dass auf jeden fall eine vaginale Geburt stattfinden muss und in der Woche muss vorher eben auch ein Fetuzit stattfinden.
00:15:43: Ab der zwantizendwoche grenzt man hier in Deutschland aktuell eben an die Lebensfähigkeit Die aktuell so ab der zweiehnzwanzig bis vierundzwanziger Woche festgesetzt wurde.
00:15:54: um eben eine Lebengeburt Zu vermeiden würde man einen Fetuzit, also einen wirklich gezielten intrauterien Tod des Fetus dann ja durchführen.
00:16:05: Das Ganze würde dann so ablaufen dass man eben ja meist Kaliumchlorid in das Herz oder die Nabelschnur des Fetos spritzt um dort ein Herzstillstand hervorzurufen.
00:16:17: Nachdem das dann passiert ist und der Fetus dadurch getötet wurde, würde die Geburt auch medikamentös eingeleitet werden.
00:16:26: Und es würde zu einer vaginalen Geburt kommen.
00:16:30: Das passiert durch eine Funktion?
00:16:33: Genau!
00:16:34: Ja, also gerade bei dieser Kaliumkloritspritze wäre das dann eine Punktion.
00:16:38: Wichtig ist dabei zu sagen so versuch man versucht an das Herz zutreffen und da muss man leider auch ehrlich sein und sagen dass es nicht immer beim ersten Versuch klappt wenn man sich jetzt vorstellt wie klein ein Fetus in der zwanzigsten Woche noch ist.
00:16:53: Es ist auch dann kompliziert das Herz zu treffen.
00:16:57: Das heißt es kann auch dazu kommen dass damals zwei oder drei mal gestochen wird um dann überhaupt erst richtig den Punkt getroffen zu haben.
00:17:07: Ja, danke schon mal für diese Differenzierung!
00:17:10: Du begleitest ja Frauen auch die einen Spätabbruch haben – auch wahrscheinlich diese verschiedenen Wormen.
00:17:18: Allerdings wird der Spät-Abbruch selber nicht bei euch in der Klinik durchgeführt?
00:17:24: Wie kommt
00:17:24: das?!
00:17:26: Ich arbeite in einem katholischen Haus, das heißt bei uns im Haus wird der Abbruch nicht durchgeführt.
00:17:32: Die Frauen, die jetzt bei uns in der Region wohnen, fahren dafür gezielt in eine andere Klinik, die darauf spezialisiert ist.
00:17:40: Diese Kliniken haben nicht immer eine Geburtshilfe im Haus,
00:17:43: d.h.,
00:17:43: die vaginale Geburt, die danach stattfinden muss, kann nicht dort durchgeführt werden.
00:17:49: und oft ist es dann so, dass sich die Frauen eben in der Nähe ihres Zuhauses suchen, um dort dann die Geburt durchführen zu lassen.
00:17:57: Die Einleitung findet meist einen Tag nach dem Fetuzit statt und deswegen findet der Abbruch eine andere Klinik statt.
00:18:07: Und oft kommen dann die Frauen aber eben mit dem durchgeführten Fetazit für die Geburte in unsere Kliniken.
00:18:15: Kannst du sagen wie alt die Fürten in der Regel sind?
00:18:19: Also wann passieren so die meisten Spätabbrüche?
00:18:23: Ich kann keine genaue Zahl sagen oder sagen, in welcher Woche die Mehrheit eben zu uns kommt.
00:18:28: Generell betreuen wir Frauen, ich würde sagen so ab der sechzehnten Woche also wirklich eine Woche wo auf jeden Fall eine vaginale Geburt stattfinden muss, wo der Fetus so eine Größe hat dass es auch einfach wichtig ist das die Frauen da wirklich auch gut begleitet und betreut werden.
00:18:44: Ich hatte vorhin ja schon erwähnt, dass so ein Späterbruch aufgrund einer mütterlichen Indikation stattfindet.
00:18:51: Das heißt für die Realität bedeutet das am Ende auch, dass einen Abbruch bis zur Geburt stattfinden kann also bis zum Einsetzen der Wiener oder bis zu einem Blasensprung theoretisch durchgeführt werden kann.
00:19:03: und den ältesten Fetus ... Ja oder die Geburt, die ich da begleitet habe, des Weinevierendreiß ist in Schwangerschaftswoche.
00:19:20: Das ist eine richtige Geburt, die man einfach miterlebt.
00:19:27: Weil das Kind dann ... Ich weiß jetzt nicht mehr genau wie schwer dieses Kind war, aber es können schon auch so zwei Komma fünf Kilo sein, die da auf die Welt kommen.
00:19:35: und dass ... hat dann natürlich auch Auswirkungen auf den Verlauf der Geburt und einfach für die Begleitung der Frau.
00:19:45: Und kann das eine Geburt über Stunden dauern, so wie eine Geburte eines lebenden Kindes?
00:19:51: Genau!
00:19:52: Das ist ein bisschen das was ich gerade damit andeuten wollte dass eben dann eine vaginale Geburt stattfindet umso größer natürlich das Kindes umso mehr Gewicht es mitbringt umso grösser der Kopfumfang ist Ja, umso intensiver und schmerzbehafteter wird natürlich dann auch die Geburt.
00:20:09: Und umso wichtiger ist es dass diese Frauen dann auch im Kreis sehr gut begleitet werden und auch da gewisse Schmerzmedikationen einfach erhalten und einfach gut dann auch am Kreißerlauf gehoben sind.
00:20:23: Ich kann mir vorstellen das es wahrscheinlich keine pauschale Antwort darauf gibt aber wenn du Frauen und auch ihre Partner begleitest wie erlebst du Wie erlebst du sie da?
00:20:35: Ja, wie auch jede Geburt eines lebenden Kindes sehr unterschiedlich ist.
00:20:39: Es eben auch die Geburte eines Todenkindes sehr individuell und man sagt ja nicht ohne Grund dass diese Geburten so als stille Geburten auch bezeichnet werden ganz egal ob das jetzt ein gewollter Tod des Kindes war oder eben nicht gewollt.
00:20:55: ich erlebt die Geburt in generell als als sehr ruhig als sehr still dann natürlich ganz individuell abhängig davon, wie die Paare die Situation erleben.
00:21:06: Warum der Abbruch durchgeführt wurde?
00:21:08: Ich hab ja Paare, Frauen und Paar erlebt, die eigentlich die Geburt durchgehend weinen.
00:21:15: Ich habe schon Paar erlebt, die gar nicht reden sowohl mit dem medizinischen Personal als auch als Paar untereinander.
00:21:23: Es gibt eine große Stille im Raum.
00:21:26: Viele Fragen, die man sich selber stellt ... Es gibt Situationen, wo ich den Eindruck hatte.
00:21:35: Es wird versucht das Geschehene gerade zu verdrängen und es zu überspielen durch teilweise auch ja Witze die erst mal von außen vielleicht unangebracht scheinen aber in dem Fall sicherlich einfach eine Möglichkeit oder Methode sind der betroffenen Person auch damit irgendwie umzugehen.
00:21:52: also das heißt Von bis habe ich da schon alles möglich erlebt und es ist ganz individuell, wie eben Personen damit umgehen.
00:21:59: Wie die Paare damit um gehen mit dem Schmerz, mit dem Trauer aber auch mit der Entscheidung diesen Abbruch durchgeführt zu haben.
00:22:06: Wenn die Geburt des toten Phytos dann vorbei ist... ...wie geht das dann weiter?
00:22:13: Was macht ihr zum Beispiel mit dem Phytus?
00:22:15: Gibt es irgendwelche Abschiedsrituale?
00:22:17: gibt es Raum für Trauer und wird das angenommen?
00:22:21: Es gibt auf jeden Fall Raum für Trauer und es gibt auch gewisse Dinge, die wir einfach den Paaren anbieten.
00:22:26: Ganz egal warum jetzt eben das Kind tot auf die Welt kommt bieten wir den Eltern an, Maße von dem Kind zu nehmen also zu schauen wenn sie möchten wie schwer ist das Kind?
00:22:35: Wie groß ist der Kopf?
00:22:37: Wir machen Fußabdrücke natürlich alles immer mit der Einwilligung der Eltern.
00:22:42: Wir ziehen die Kinder auch an.
00:22:43: Da gibt es extra so kleine Sets, die von Ehrenamtlichen genäht werden damit es zu jeder passenden Größe eben auch Kleidung gibt.
00:22:52: Es gibt eine Superorganisation von ehrenamtlichem Fotografen und Fotografen, sogenannte Sternfotografe, die wirklich rund um die Uhr zu erreichen sind und die man dann in dem Fall Kontaktieren würde, die dann ins Krankenhaus kommen und Fotos machen.
00:23:05: Wenn das gewünscht ist.
00:23:07: Erinnerungsfotos, letzte Bilder von dem Kind.
00:23:10: Manchmal auch gemeinsam mit den Eltern.
00:23:14: Ansonsten geben wir einfach den Eltern wirklich ganz viel Zeit und Raum zu entscheiden was sie möchten und brauchen.
00:23:20: Auch das fällt unterschiedlich aus.
00:23:22: Es gibt Paare, die wollen ihr Kind danach nicht sehen.
00:23:26: Es gibt Paare, die ihrem Kind dann auch in dem Fall keinen Namen geben.
00:23:30: Um es ein Stück weit anonym zu halten.
00:23:34: Es gibt aber auch Eltern, die Stunden nach der Geburt das Kind noch im Arm halten und bei sich haben wollen.
00:23:41: Da schauen wir einfach, dass wir den Eltern das geben können was sie in dem Verbrauchen.
00:23:46: Und geben da ganz viel Raum und Zeit und versuchen so diesen ... Die Hektik in der Klinik!
00:23:53: den Alltag so ein bisschen von den Eltern abzuschieben, dass sie da wirklich ihre Ruhe haben, ihren Raum haben.
00:23:58: Und wenn die Eltern dann irgendwann an den Punkt kommen zu sagen okay wir haben uns verabschiedet und wir sind soweit, dann nehmen wir das Kind wieder in Empfang und würden das eben nackt ins Wasser legen und danach dann in die Kühlung bringen wo es dann vom Bestatter abgeholt wird.
00:24:16: Ich kann mir vorstellen die Begleitung von einem Spätabbruch, auch an dir als Hebamme nicht spurlos vorbeigeht.
00:24:26: Wie erlebst du das?
00:24:26: Ist es ein Teil deiner Beruf, den du gerne machst?
00:24:30: Wenn man das so sagen kann ... Was was du gerne tust oder was dich über Windung kostet, wie erlebst Du
00:24:36: das?
00:24:38: Also ich erlebe es bei mir einfach natürlich so dass ich gerne lebende Kinder auf die Welt begleite und eben diese Paare begleitete das Privileg eben auch sehr Leben zu begleiten und zu entdecken, wie Leben auf die Welt kommt.
00:24:55: Und dennoch habe ich einfach die letzten Jahre für mich ja so erfahren und so wahrgenommen dass es zwar herausfordernd ist für mich eben auch diese Spätabbrüche zu beggleiten und es dennoch ein Stück weit mir ein großes Anliegen ist genau diese Paar auch zu begleichen.
00:25:12: Ich kenne nicht die Umstände von den Familien, ich weiß nicht genau wie es zu dieser Entscheidung gekommen ist.
00:25:17: Manche Paare berichten vielleicht darüber aber was wirklich der Kern dahinter ist und auch die Geschichte dieser Person ist, die kann ich nie ganz greifen in dem Moment.
00:25:26: Und meine Anliegen sind dann in der Situation ja die Frau oder das Paar zu sehen wahrzunehmen und ihr dann meine Annahme und Liebe auch zu geben Und ihr in dieser sehr, sehr herausfordernden und schwierigen Situation eine gute Begleitung zu sein.
00:25:45: Auch wenn ich die Entscheidung, die schon getroffen wurde nicht mittragen kann, kann ich in dem Moment ... ja, ihr meine Liebe und meine Annahme geben, dass sie trotz dieses herausfordernder Prozesses sich gut begleitet fühlt von mir als ... als
00:26:01: Hebamme.".
00:26:02: Das zeugt von sehr viel Reifen und Stärke, dass du das so kannst?
00:26:07: Ja, also ich finde es ... mich bewegt das.
00:26:09: Dass du auch wenn du diese Entscheidung eigentlich nicht mitträgst... dass du dann für diese Frauen und für diese Eltern da bist und sie dann auch gerne begleitet ist.
00:26:23: Also ich erlebe wie gesagt, dass das einfach super herausfordernd ist und dass das natürlich auch in unserem Hebamteam kontrovers diskutiert wird.
00:26:30: wer möchte das jetzt machen und wer nicht?
00:26:32: Und das muss auch jeder glaube ich für sich selber entscheiden weil Natürlich vergisst man die Bilder nicht.
00:26:38: Wenn man ein kleines Baby nackt in ein kaltes Wasser legt und sieht, dass es leblos ist.
00:26:46: Das sind Bilder, die man nicht vergesst und die einen auch weiter bewegen und die nicht irgendwie im Krankenhaus bleiben wenn man nach Hause geht.
00:26:54: Ja das ist vielleicht dann in dem Fall noch der Zusatz.
00:26:56: ich möchte nicht nur die Frauen und Paare begleiten sondern auch diesem Lebewesen was nicht lebend auf die Welt kommt einfach einen würdevollen Abschied geben Und mich da auch dann um das Kind gut kümmern, auch wenn es nicht mehr lebt.
00:27:10: Ist es für dich dann dein Ausdruck selbst auch da Abschied zu nehmen oder hast du dann ein Ritual wie du das als Hebammen
00:27:20: hieß?
00:27:23: Je nachdem, wie eng die Verbindung mit dem Paar ist oder wie lange ich die Frau schon begleitet habe, merke ich immer wieder, dass mich das emotional auch packt.
00:27:35: Dass ich teilweise im Kreisaal weinen muss und mir da die Tränen nicht verkneifen kann.
00:27:41: Oder wenn ich alleine mit dem Kind bin, sage ich jetzt mal ... Ich spreche auch mit den Kindern.
00:27:47: Das klingt dann erst von außen komisch.
00:27:50: Aber wenn man so ein Kind anzieht Und es vor allem liegt, dann erkläre ich dem Baby auch.
00:27:56: Ich ziehe dich jetzt an und lege dich ins
00:27:58: Wasser.".
00:27:59: Das klingt wie gesagt von außen vielleicht ein bisschen komisch aber das ist meine Art damit umzugehen.
00:28:05: Wie gesagt im Kind auch einen würdevollen Abschied zu geben und nicht einfach nur als Ding zu bewerten weil es nicht mehr lädt sondern auch dieses Leben zu schätzen und liebevoll mit Umzugehen Und auch da vorsichtig den Fußabdruck zu machen und in liebevoller Art und Weise eben da mich von dem Baby zu verabschieden, auch wenn ich es gar nicht vorher kannte.
00:28:27: Aber es ist dann trotzdem ein sehr intensiver Moment, eben auch in dem Moment das Kind zu
00:28:32: begleiten.".
00:28:34: Ich habe mal noch ein schwieriges Thema, also sowieso ein schwieriger Thema.
00:28:39: Aber man hört ja hier und da auch schonmal davon das in der vorgeburtlichen Diagnostik Fehler gemacht worden sind.
00:28:46: Also dass man grund der Diagnose sich für einen Abbruch entscheidet und sich im Nachhinein herausstellt, doch nicht diese Diagnose hatte.
00:29:00: Hast du das schon mal erlebt?
00:29:01: Und wie war das, wie sei dir damit umgegangen?
00:29:05: Also es gibt tatsächlich im Alltag immer wieder Situationen wo man überrascht ist und denkt dass das kann doch nicht sein.
00:29:12: also ich habe eine Geschichte im Kopf.
00:29:14: da wurde den Eltern gesagt dass ihr Kind Nierenbesitz die nicht funktionsfähig sind und dass sie sich darauf einstellen müssen.
00:29:23: Also, da waren einige Fehlbildungen stand in deinem Raum und es hieß dass dieses Kind nicht überlebensfähig sei.
00:29:30: Und ja den Eltern wurde angeraten dieses Kind die Schwangerschaft zu beenden.
00:29:35: Die Eltern haben sich dagegen entschieden.
00:29:37: das Kind ist auf die Welt gekommen und eigentlich haben alle darauf gewartet dass dieses kind sich verabschiedet.
00:29:43: die Kinderärzte waren informiert man hat wollte dafür sorgen dass das Kind dann auch schmerzmedik... um einfach auch da einen schmerzfreien Abschied zu gewährleisten.
00:29:54: Und man wartete und die Eltern haben gekuschelt, dieser normale Prozess der Läufe, wenn ein lebendes Kind auf die Welt kommt ... Der wurde gar nicht in Gang gesetzt.
00:30:02: Das Kind wurde auch gar nicht an die Brust angelegt.
00:30:05: Es wurde sich darum gekümmert, dass das Kind irgendwie Nahrung zu sich bekommt, weil man dachte, es wird in den nächsten Minuten sterben.
00:30:12: Ich glaube nach drei oder vier Stunden hat man dann plötzlich Urin in der Pampas gesehen etwas, was eigentlich unmöglich war.
00:30:21: Weil es sollte ja nicht funktionsfähig sein, die ganzen Organe in Zusammenhang stehen und im Nachhinein ist rausgekommen dass die Organe, die eigentlich beschädigt worden seien sollten funktionstüchtig waren.
00:30:36: dieses Kind wurde dann ganz schnell an die Brust eingelegt.
00:30:39: man hat dafür gesorgt das das gefüttert wird Ja, dass dieser ganz normale Prozess in Gang gebracht wird.
00:30:45: Und das hab ich noch so in Erinnerung und das passiert immer wieder, dass Diagnosen gestellt werden die sich am Ende nicht bewahrheiten.
00:30:52: Ich habe eine Freundin, die ist schon dreißig Das natürlich jetzt schon wieder ein paar Jahre her und eine andere Diagnostik.
00:30:58: aber da hat man auch damals gesagt ihr Kind wir Trisomie einzwanzig haben wollen sie nicht abtreiben und dies hat kein Trisomy.
00:31:06: ein zwanzig ist gesund.
00:31:08: und das sind immer wieder Sachen wo man trotz guter Technik heute immer wieder erlebt, dass es am Ende keine hundertprozentige Auskunft gibt und dass wir auch darüber einfach ja keine Kontrolle haben.
00:31:24: Da kommen wir auch schon zur nächsten Frage und zwar wie stehst du als Hebamme zu den Möglichkeiten der vorgeburtlichen Diagnostik?
00:31:35: Würdest Du sagen das ist für die Gesellschaft eher Fluch Oder eher Segen oder Beides?
00:31:42: Ich tue mich da sehr schwer, das jetzt irgendwie einzusortieren und zu sagen es auf jeden Fall Fluch- oder Segen.
00:31:47: Ich glaube dass steht beides nebeneinander.
00:31:50: ich erlebe es als ganz ganz großen Segen, dass wir in Deutschland so ein gutes Gesundheitssystem haben mit natürlich all den Fehlern die es so gibt aber dass schwangere Personen regelmäßige Vorsorge wahrnehmen können und die auch noch von der Krankenkasse gezahlt werden.
00:32:07: Dass da ganz viel passiert, worüber wir uns gar keine Gedanken machen, die laufen einfach.
00:32:12: Und das erlebe ich als großen Segen heutzutage, dass es gute Möglichkeiten gibt in der Schwangerschaft unter Geburt und danach gut begleitet zu werden.
00:32:22: Gleichzeitig erleb' ich's auch als Fluch, dass wir glauben, dass uns diese Technik eben wie gerade schon angesprochen eine Kontrolle darüber gibt ... zu meinen, dass wir wissen wie etwas ausgeht.
00:32:37: Dass wir denken das wir Einblick in gewisse Prozesse haben also gerade in der Schwangerschaft begegnet einem ja.
00:32:42: dann das erst trimester screening Das findet so zwischen den zwölf und vierzehnten wochen statt.
00:32:48: ein großer Bestandteil ist da eben die Messung der Nackentransparenz Also einen Marker für Trisomin Und meist wird in dem Rahmen auch der sogenannte NIT-Test durchgeführt, also der nichtinvasive Prinataltest.
00:33:03: Der meist schon ab der zehnten Woche stattfinden kann eine Blutuntersuchung bei der Frau die eben auch darüber Ausschluss geben soll ob es gewisse Marker in den Blut gibt für Trisomien bei dem Kind.
00:33:18: Dabei muss man aber einfach sagen das ist ein Screening und keine Diagnose.
00:33:24: Und das erlebe ich eben als ganz, ganz großen Fluch in dem Fall.
00:33:28: So wie du es jetzt betitelt hast, weil es oft so eine falsche Sicherheit gibt.
00:33:32: Also Frauen denken, ich mache jetzt den Test und dann habe ich eine Diagnose was die nächsten Monate mit meinem Kind im Bauch passieren wird.
00:33:39: Gerade der Nipp-Test gibt Ausschuss über Trisomien und meist hauptsächlich über Trismie ein zwanzig, weil eben gerade dieser Test sehr, sehr oft falsch positive Ergebnisse hat.
00:33:52: Und ja, das erlebe ich einfach als große Schwierigkeit heutzutage.
00:33:58: Dass es eben diese Untersuchung gibt und wir gar keinen richtigen Umgang dann mit gewissen Ergebnissen auch vielleicht haben.
00:34:08: Ich versuche meine Frauen in den Vorsorgen die ich da begleiten darf ein Stück weit zu sensibilisieren warum diese Tests gemacht werden und was das eventuell für eine Konsequenz haben kann.
00:34:20: Und er lebt da leider immer wieder, dass dieser Niptest primär als genutzt wird um herauszufinden welches Geschlecht das eigene Kind hat.
00:34:30: Weil das ist eben der zweite Punkt, der dann ja auch netterweise noch mit dazu bestimmt werden kann weil es eine Blutabnahme ist und man dann schauen kann.
00:34:39: Und oft erlebe ich, dass das eigentlich der Hauptgrund ist.
00:34:42: Dass man sich freut, dass man schon in der Elf-Nur zwölfenwoche einen Anruf bekommt Ihr Kind ist ein Jung oder ein Mädchen.
00:34:52: Man sich gar nicht bewusst, was der Test eigentlich
00:34:55: aussieht?
00:34:55: Genau!
00:34:56: Das ist eben so das, was ich dann auch in meinen Gesprächen wieder feststelle.
00:34:59: Dass da einfach an Aufklärung fehlt und dass der Test gemacht wird weil das auf der Liste steht und sich Paare und Frauen vorher vielleicht gar nicht ausführlich mit dieser Thematik beschäftigt haben, was ja auch zu Recht so ist, weil es dann ja auch erst Thema ist wenn man selber betroffen ist Und so schnell, wie das in den ersten Wochen alles geht und man realisiert hat, dass man schwanger ist.
00:35:20: Und einem dann noch alle möglichen Infos gegeben wird.
00:35:22: Dann wird hier ein Test gemacht.
00:35:23: Da nimmt man ja auch irgendwie alles mit, weil man sich wünscht, dass alles gut läuft und man das Beste für sich und das Kind haben möchte.
00:35:32: Ja da nehme ich fehlende Aufklärung auf jeden Fall wahr.
00:35:36: Würdest du sagen, dass spielen die Frauenärztinnen und Ärzte auch eine große Rolle drin?
00:35:41: Ja, auf jeden Fall.
00:35:42: Also wenn ich jetzt an meine eigene Vorsorge zu dem Zeitpunkt denke dann hat meine Frauenärztin uns eben diesen Nipptest empfohlen bzw.
00:35:52: hat sie ihn ja uns angeraten mit der Info Wenn wir ihn jetzt machen und was feststellen Dann haben Sie ja noch Zeit Mit der Beratungsregel ihr Kind abzutreiben.
00:36:02: Das ist das was ich oft so bei mir aber auch bei anderen Frauen wahrnehme dass das oft die Begründung ist und dieser Test extra vor der zwölfen Woche gemacht wird, um dann darauf hin eventuell einen Abbruch der Schwangerschaft durchzuführen.
00:36:19: Ich denke, dass da besonders Frauenärzte eine ganz große Rolle spielen, weil das natürlich das beratende Organ in dem Fall ist, was die Frauen begleitet.
00:36:31: Es ist für mich verständlich, dass Frauen und Paare ... Auch da sich Infos holen und auch gewisses Vertrauen gegenüber ihren Ärzten haben, was auch richtig ist.
00:36:41: Und deswegen ist es so wichtig dass auch Frauenärzte, Frauenärzte aber natürlich wie als Hebamme einfach sensibel mit dem Thema umgehen und einfach gute Aufklärung leisten und nicht manipulativ in eine Richtung deuten.
00:36:54: Natürlich habe auch ich meine Meinung.
00:36:55: dann zu diesem Test, wenn ich im Gespräch bin in den Vorsorgen, versuche ich aufzuklären ohne meine eigene Meinung preizzugeben weil das an der Stelle nicht passend ist und muss auch in beide Richtungen aufklären.
00:37:08: aber es ist mir einfach ein Anliegen dass Frauen und Paare wissen worauf sie sich einlassen Und eben auch die Frage stellen sich welche Konsequenz hat ein bestimmtes Ergebnis für uns.
00:37:20: Warum machen wir den Test?
00:37:25: Ich habe oft Frauen erlebt, die gesagt haben, ich möchte mich vorbereiten und wissen, wenn mein Kind eine Behinderung hat, dass ich das auch in der Schwangerschaft ein Stück weitragen kann.
00:37:35: Das finde ich gut und verständlich.
00:37:38: Das ist oft leider nicht die Realität.
00:37:42: Wenn da was auffällig ist wird einem direkt zu einem Abbruch geraten.
00:37:48: Was würdest du denn sagen, was sich in unserem Land oder unserer Gesellschaft ändern muss?
00:37:52: Damit Familien es leichter haben, sich für ein Kind zu entscheiden.
00:37:57: Bei dem vielleicht auch Auffälligkeiten festgestellt werden während der Schwangerschaft.
00:38:03: Ich glaube ich habe jetzt schon oft irgendwie erwähnt dass ich denke das es mangelnde Aufklärung gibt und deswegen würde ich das an der Stelle auch nochmal betonen Dass es ganz ganz dringend notwendig ist, dass unsere Gesellschaft aufgeklärt wird über ganz viele Dinge über die Prenataldiagnostik, über Konsequenzen gewisser Ergebnisse.
00:38:24: Über Diagnosen, die dann gestellt werden.
00:38:26: Über die Begleitung, dass man auch einen Ausblick bekommen wie das Leben aussehen kann.
00:38:32: Ich hab so den Eindruck, dass unsere Gesellschaft einerseits uns das Gefühl gibt wir dürfen alles sein und jeder ist willkommen und es dann doch aber an richtige Annahme und Liebe fehlt.
00:38:47: Kinder mit Auffälligkeiten, mit Fehlbildung und Behinderung aussortiert werden.
00:38:52: Das finde ich ja super schwierig, das so wahrzunehmen und anzunehmen und eigentlich in einer doch so toleranten Welt zu leben.
00:39:00: Und dass aber nicht dann wirklich in der Praxis umgesetzt zu sehen ... tut weh und ist schwierig damit umzugehen.
00:39:08: Das ist herausfordernd für mich, da wünsche ich mir auch als Christen, dass ich als Christin ein Vorbild sein darf was es heißt Menschen zu sehen und anzunehmen in ihrer Unterschiedlichkeit mit Behinderung die da sind aber auch einfach zu lieben und anzunehmen ganz unabhängig davon was sie ausmacht wo vielleicht Auffälligkeiten sind.
00:39:33: Und ja, mir ist in der Schwangerschaft jetzt selber oft so der Begriff oder die Aussage gekommen.
00:39:39: Hauptsache gesund also immer wenn gefragt wurde wird es ein Junge dann wird das Mädchen und wir dann entweder noch nicht wussten was es wurde oder da irgendwann gesagt haben Wir bekommen eine Tochter Dann kamen immer.
00:39:48: diese Aussage Ist ja auch egal Was?
00:39:51: Es wird hauptsache gesund und ich glaube dass dieser aussage sehr Sehr liebevoll gemeint ist und die Person mit denen ich im Gespräch bin sich wünschen dass unser Kind gesund ist.
00:40:03: Das will ich auch keinem absprechen.
00:40:04: Und das wünschen wir uns natürlich auch, also ich will diesen Wert von Gesundheit gar nicht irgendwie runterschrauben.
00:40:09: Es ist ein absolutes Privileg und auch glaube ich einen Wunsch jeder Eltern, dass man ein gesundes Kind hat.
00:40:17: Dennoch stelle ich mir die Frage, ist Gesundheit wirklich die Hauptsache?
00:40:21: Was ist wenn mein Kind nicht gesund ist?
00:40:23: Was hat das für mich für Konsequenzen?
00:40:25: Ich würde mir wünscht, dass wir eher sagen Hauptsachen geliebt.
00:40:29: Geliebt unabhängig davon wie das Kind auf die Welt kommt.
00:40:33: Das sind neun Monate, wo sich das Kind entwickelt.
00:40:35: Und ich wünsche mir, dass es sich gesund entwickelt.
00:40:37: Aber letztlich weiß ich auch nicht was in den nächsten Jahren passieren wird und die Aussage Hauptsache Gesund ist für mich dann ein starkes Extrem.
00:40:47: Weil wenn die Gesundheit dann fehlt, was passiert dann?
00:40:50: Deswegen wünschte ich mir, da einfach Veränderungen unserer Gesellschaft auch passiert, dass wir neuen Fokus und neuen Blick auf das Leben haben, auf Unterschiedlichkeiten Und dass wir Menschen einfach wirklich sehen und annehmen.
00:41:05: Und da peng ich davon, wie sie auf die Welt kommen.
00:41:10: Ich glaube das ist ein ganz großes Thema.
00:41:11: Da muss an ganz vielen Stellen geschraubt werden.
00:41:14: Das fängt bei mir selber dann auch an.
00:41:16: Da darf jeder ein Stück weit mit dran teilhaben... ...und schauen, dass sich Dinge in Bewegung setzen.
00:41:27: Hauptsache geliebt, das ist ein schönes Stichwort für unsere letzte Frage.
00:41:31: Für heute hast du bei all dem Schwierigen worüber wir jetzt gesprochen haben vielleicht zum Abschluss noch eine ermutigende Geschichte die uns Hoffnung macht wo Du vielleicht auch Eltern in einer Situation erlebt hast Die Hoffnung hatten die ihr Kind annehmen konnten lieben konnten Eine Geschichte die Du mit uns teilen
00:41:52: möchtest.
00:41:53: Zum Glück gibt es neben den ganz vielen herausfordernden Situationen und Geschichten auch immer wieder so Dinge, die einen ermutigen oder die einen in Erinnerung bleiben.
00:42:02: Ich hatte jetzt ja gerade schon die Geschichte von der Familie erzählt wo das Kind dann doch einfach gesund auf die Welt gekommen ist.
00:42:09: Und eine Sache, die mir auch immer in Erinnernung bleibt Das ist tatsächlich aus meiner Zeit Aus dem FSJ, wo ich auf der Wöchnerin Station gearbeitet habe.
00:42:18: Da hat ein paar den Charlie bekommen, einen Jungen.
00:42:22: Und sie wussten vorher nicht ob der Charlie irgendwelche Auffälligkeiten hat.
00:42:28: da wurde nichts festgestellt und Charlie kam mit Rizumi einundzwanzig auf die Welt und die Eltern haben ihm das angesehen und dennoch gesagt Charlie, du bist unser schönes Kind.
00:42:42: Und das hat mich so bewegt zu sehen wie die Eltern unabhängig von Aufwelligkeiten, von einem Symptom was offensichtlich war dass sie diese Aussage getroffen haben, dass es ihr schönes kind ist, dass er wunderbar ist und das bleibt mir so in Erinnerung.
00:42:57: ich habe diesen Namen Charlie noch im Kopf weil das irgendwie so ein liebevolles Kind war und mich das so beweagt hat wie die Eltern einfach ihr Kind gesehen und angenommen haben als Ihren Sohn, als Ihrem Charlie.
00:43:09: Und das ist natürlich nur eine Momentaufnahme und ich weiß nicht wie es bei der Familie weitergingen und was dafür Herausforderungen kam, aber das sind so kleine Momente wo ich erlebe dass nicht alles herausfordernd sein muss und nicht immer alles direkt in einem Schwangerschaftsabbruch endet oder in Enttäuschung endet sondern Kinder angenommen werden von ihren Eltern einfach weil es Ihr Kind ist.
00:43:31: Ja,
00:43:33: liebe Paulina.
00:43:34: Das ist total interessante Einblick, den du hier in deine Arbeit gegeben hast und wir merken, du stehst in vielen Spannungen zwischen Tod und Leben, zwischen Freude und Trauer und auch eben diesen gesellschaftlichen Spannung und auch Widersprüchen die du uns irgendwie sehr lebhaft aufgezeigt hast.
00:43:54: und Wir sind dir total dankbar Und wünschen dir Gottes Segen und weiterhin Freude bei deiner Arbeit, Kraft für deine Arbeit.
00:44:04: Und danken dir sehr für deine Bereitschaft hier in diesem Podcast mit uns zu sprechen!
00:44:09: Ja vielen Dank dass ich da sein durfte, dank für eure Zeit über dieses ja sehr kontroverse Thema zu sprechen.
00:44:17: auch beim meinen Aussagen ist natürlich nicht voll umfänglich und es gibt ganz viele unterschiedliche Perspektiven aber ich glaube das ist wichtig einfach darüber zu sprechen dieses Thema zum Thema zu machen und da einfach unterschiedliche Perspektiven mit einzubringen, also von daher vielen Dank euch.
00:44:33: Danke Frau Lieder!
00:44:35: Und danke auch an euch liebe Zuhörer fürs Hören dieser Folge.
00:44:39: Wenn euch unser Podcast gefällt dann abonniert ihn sehr gerne und macht eure Freunde und eure Bekannten darauf aufmerksam.
00:44:48: Und ein letztes noch, unser Podcast lebt von Spenden.
00:44:51: Wenn ihr möchtet dass wir weitere Folgen aufnehmen dann heft uns doch mit einer zweckgebundenen Spende.
00:44:57: alle Infos dazu findet ihr in der Beschreibung.
00:45:04: Tschüss
00:45:05: und bis zum nächsten Mal!
00:45:15: Ihr findet unsere E-Mailadresse in den Shownummern.
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