My body, no choice – Wenn der Schmerz bleibt
Shownotes
„Ich fühlte mich sehr allein mit allem.“
Elke war eine junge Studentin in den USA, als sie ungeplant schwanger wurde. Zunächst war die Nachricht für sie ein Grund zur Freude: Sie liebte ihren Freund und konnte sich vorstellen, dass aus ihrer Beziehung eine Familie werden könnte. Doch seine Ablehnung, ihre persönliche Lebenssituation, fehlende Unterstützung und der zunehmende Zeitdruck brachten sie in eine Situation, in der sie sich schließlich für einen Schwangerschaftsabbruch entschied.
Heute, Jahrzehnte später, erzählt Elke offen von dieser Entscheidung und ihren Folgen. Sie spricht über Einsamkeit, Trauer, Scham und die Sehnsucht nach dem Kind, aber auch darüber, was ihr geholfen hat, mit ihrer Geschichte weiterzuleben. Als Christin erlebt sie Gottes Vergebung als große Hilfe – auch wenn der Schmerz für sie nicht einfach verschwunden ist.
Moderatorin: Lea Steins Moderatorin: Judith Khoury Interviewpartnerin: Elke Produktion: Simon Kepper
Kontakt E-Mail: info@provita-stiftung.de
Infos und Links: VillaVie - Beratungsstelle nach einem Schwangerschaftsabbruch Homepage Lebensfragen Spenden Newsletter Instagram
Transkript anzeigen
00:00:01: Und man denkt ja immer, wenn ich das Kind bekomme wird mein Leben sich verändern.
00:00:05: Aber auch wenn ich es nicht bekomme,
00:00:07: verändert es
00:00:22: das Leben.
00:00:24: Herzlich willkommen zur nächsten Folge von Lebensfragen der Podcast!
00:00:30: Ein Podcast über die großen und oft auch herausfordernden Fragen des Lebens an seinen Grenzen.
00:00:36: Ich bin Lea...
00:00:38: ...und ich bin Judith.
00:00:39: Schön dass ihr wieder dabei seid.
00:00:42: Heute haben wir außerdem auch Elke zu Gast.
00:00:45: Ganz herzlich willkommen, liebe Elke!
00:00:47: Danke euch ich freue mich hier zu sein.
00:00:50: Elke du bist in Würzburg aufgewachsen hast aber einige Zeit in den USA gelebt und bist inzwischen aber wieder hier in Deutschland.
00:00:58: wenn man dich heute erlebt woran merkt man dass sich diese zeit in den usa geprägt hat?
00:01:05: Ich denke das durch meinen Aufenthalt in USA dass ich da selbst bewusster geworden bin.
00:01:12: Ich habe mich dort ein Stück weit besser kennengelernt, so zu mir gefunden.
00:01:17: Außerdem liebe ich es auf andere Menschen und andere Nationen zuzugehen.
00:01:23: einerseits weil ich ihnen gerne helfen möchte dass sie sich hier willkommen fühlen sowie ich mich in USA Willkommen Geheisen fühlen durfte und andererseits war ich einfach ständig neugierig bin und ja dann will ich wissen wie sie in den Deutschland gefällt Ihre Sicht auf unser Land und ja auch was von Ihnen lernen, von Ihrer Kultur lernen.
00:01:47: Ja das merkt man dir auf jeden Fall an dass du sehr offen bist.
00:01:50: und bis auch auf uns zugekommen um diesen Podcast aufzunehmen hast uns deine Geschichte erzählt.
00:01:56: Das ist total toll wenn unsere Freunde der Initiative Lebensfragen so initiativ sind und auf uns zukommen Und du sitzt auch hier ganz entspannt, ganz offen.
00:02:08: Ganz auch menschenzugewandt neugierig.
00:02:11: Das finde ich total klasse!
00:02:13: Da merkt man dass du diese internationale Erfahrungen gemacht hast.
00:02:17: Wie ist es denn eigentlich dazu gekommen?
00:02:18: Dass du überhaupt in die USA gegangen bist damals?
00:02:22: Ich denke das hat seinen Ursprung in meiner Kindheit.
00:02:25: um mich herum leben uns und gegenüber von uns waren immer amerikanische Familien, Offiziersfamilien.
00:02:33: Ich hatte den Eindruck, die haben einfach die cooleren Eltern.
00:02:36: Und dann hab ich sehr gerne die Sendung Lassie geguckt.
00:02:39: Vielleicht können sich die ein oder andere daran noch erinnern?
00:02:41: Da war der Timmy, der hatte einen Hund und der Hund durfte offiziell nicht zu ihm ins Bett aber der war immer in seinem Zimmer.
00:02:48: und die Eltern waren da echt entspannt und haben zwar manchmal gesagt, der Hund soll nicht ins Bett, aber trotzdem waren sie total lieb!
00:02:54: Und da habe ich mir gedacht, ich muss in dieses Land ziehen.
00:02:57: das sind die netteren Menschen
00:03:02: Und die netteren Eltern.
00:03:03: Ja,
00:03:04: in jedem Fall!
00:03:05: Die einem mehr erlauben.
00:03:09: Wir sprechen heute über ein sehr sensibles und persönliches Thema.
00:03:13: Es ist alles andere als selbstverständlich dass du deine Geschichte mit uns und unseren Hörerinnen und Hörern teilst.
00:03:20: Dafür danken wir dir erstmal von ganzem Herzen und wer kennt das?
00:03:24: anders ist es sehr viel
00:03:25: Mut braucht
00:03:26: über einen Schwangerschaftsabbruch zu sprechen Dieses Vertrauen, das du uns entgegen bringst sehr zu schätzen.
00:03:35: Danke!
00:03:36: Uns als Initiative Lebensfragen ist eins dabei besonders wichtig wir möchten zuhören ohne zu urteilen und ohne zu bewerten.
00:03:46: Wir möchten hier deiner Geschichte Raum geben so wie Du sie erlebt hast und wie Du heute darauf zurückblickst Und wir hoffen dass diese Folge Menschen Mut macht die vielleicht etwas ähnliches erlebt haben.
00:03:59: Dann nimm uns doch mal mit Zurück.
00:04:02: Als junge Frau bist du also für dein Studium in die USA gegangen.
00:04:06: Dort hast du einen Mann kennengelernt und bist ungeplant schwanger geworden.
00:04:11: Magst du uns erzählen, wie du damals erfahren hast dass du schwanger bist?
00:04:15: Und was ging in diesem Moment in dir vor?
00:04:19: Zunächst war es der Klassiker meine Tage blieben aus aber ich habe dann noch gar keinen Verdacht geschöpft weil das ein oder andere Mal eben vorkam Und auch, weil meine Patentante keine Kinder kriegen konnte.
00:04:35: Dann hab ich halt gedacht, ich hätte das gleiche Schicksal und war da noch relativ entspannt.
00:04:43: Aber nach drei Wochen dachte ich mir, ich sollte vielleicht doch mal ein Test machen.
00:04:48: Ich weiß nicht mehr warum ich keinen Test einfach so gekauft habe, sondern bin gleich zum Frauenarzt ... Ja, ich war da eigentlich völlig entspannt.
00:04:58: Weil ich mir sicher war, dass der sagt, da ist
00:05:01: nix.".
00:05:02: Und als dann die Arzt-Helferin den Kopf durch die Tür steckte ... Also das kann ich so noch lebhaft vor mir sehen und meinte ihr Test war sehr positiv!
00:05:12: Da ist eine riesige Freude in mir aufgekommen.
00:05:16: also ich habe richtig gedacht so echt?
00:05:18: Ich bin schwanger.
00:05:20: Super Ja, ich hab meinen Freund geliebt.
00:05:23: Das war die erste Beziehung von der ich geglaubt habe, die könnte in der Ehe enden und von daher war ich jetzt erst mal happy.
00:05:30: Und der Arzt war auch sehr nett ... Dann bin ich daraus aus der Praxis und hab völlig happy, hab ich meinen Freund angerufen und hab natürlich erwartet, dass er genau so fröhlich reagiert.
00:05:44: aber es war wirklich als würde ich mit einem ganz anderen Menschen sprechen.
00:05:48: Er war abweisend kühl Und er meint noch, das hab ich mir gleich gedacht.
00:05:55: Dann hat er einfach geschwiegen und es war wirklich ... Es wird so ein elektrischer Schlag durch mich durchgehen.
00:06:02: Das war für mich extrem schlimm.
00:06:04: Ich bin wie eingefroren.
00:06:07: Ja, und ich hatte halt all meine Hoffnung auf diese Beziehung gesetzt.
00:06:12: Gleichzeitig war ich naiv.
00:06:14: Weil es gab schon noch eine andere Frau, die in seinem Kopf rumgespuckt hat.
00:06:18: Von der hat er auch noch erzählt immer wieder.
00:06:20: aber ich dachte mir ja, die ist weit weg und das war so ne Sommerromance und die ist nicht so wichtig.
00:06:29: Du hast uns gerade erzählt dass deine erste Reaktion eigentlich riesengroße Freude war?
00:06:35: Man hat sich das denn verändert?
00:06:38: oder was hat dazu geführt neben der Freude auch Unsicherheit und Unbehagen entstanden sind bei dir?
00:06:46: Nachdem ihr mein Freund klargemacht hatte, dass er das Kind nicht wollte.
00:06:50: Und mir dann auch erzählt hat, dass Er mit seiner ersten Freundin also nicht die mit... Also wo Er noch immer an sie gedacht hat sondern seine erste Freundin, sei mit der schon drei Abtreibungen erlebt hat da war ich dann echt ziemlich verzweifelt weil sein Nein war ziemlich kategorisch Und ich wusste dann nicht so recht, was ich tun sollte.
00:07:12: Weil ... Jahre davor als sehr junge Frau hab ich immer gedacht, wenn's mir mal passieren würde, dass sich schwanger würde, würd' ich das Kind in jedem Fall austragen.
00:07:23: und jetzt auf einmal war ich eben gar nicht mehr so sicher.
00:07:28: Ich stand halt kurz vor meinem Uniabschluss also ich hatte schon noch einige Monate anstrengender Arbeit vor mir.
00:07:35: Ich war im USA ohne Verwandte.
00:07:38: Ich wusste nicht so recht, wer mir mit dem Kind helfen sollte.
00:07:42: Und ein Sommer davor war ich zu Hause, hab meine Eltern besucht und da hat mein Vater in welchem Zusammenhang sehr streng gemeint.
00:07:51: also es wäre für ihn das Allerschlimmste und es würde für ihn gar nicht gehen wenn man eine Schwester und ich irgendwann mal mit einem unehrlichen Kind nachhause kämen.
00:08:00: Also da war für mich definitiv ne Tür zu Ja, mich Unterstützerin auch nicht in Frage.
00:08:09: Weil sie psychisch krank war und ich wusste einfach nett, wem ich mich anvertrauen sollt.
00:08:15: Ich war echt verzweifelt.
00:08:17: Gab es denn überhaupt jemanden mit dem du dann über deine Schwangerschaft und deine Unsicherheiten sprechen konntest?
00:08:24: Also ich hab zu der Zeit mit zwei Studienkolleginnen zusammen gewohnt und eine davon hatte schon drei Abtreibungen Und ihr habe ich natürlich gesprochen als allererstes.
00:08:35: Interessanterweise hat sie mir dazu geraten, das Kind zu bekommen.
00:08:38: Das hat mich dann echt verblüfft, weil ich mir gedacht habe, dass sie selbst ... Hat sich die Freiheit, also für mich war es so ein Freiheitsliebender, einen Schluss, die Schwangerschaft abzubrechen und sie hat sich die genommen um mir Rätse aber das Kindzukriegen.
00:08:55: Da war ich verwirrt!
00:08:56: Und da gab's noch eine andere Kommilitonin, die ich sehr geschätzt hab, die hatte zwei Kinder Und die hat zu mir gesagt, mach das auf keinen Fall.
00:09:04: Du kannst auf keinen fall die Schwangerschaft abbrechen denn du bist nicht die Frau der es verkraftet und das ist so ein Satz.
00:09:10: Der ist in mir immer noch wenn ich daran denke lebendig wie sie da sitzt und zu mir sagt du kannst sowas nicht verkraften.
00:09:17: Sie hat auch noch gesagt für sie ist eine Abtreibung so als würde sie rückwärts mit dem Auto über ihre Kinder drüber fahren was für mich ein echt großes Bild war.
00:09:29: Ja, sie war da wirklich ganz vehement und hat dann gesagt ... Wenn du dir nicht vorstellen kannst Mama zu sein, krieg das Kind.
00:09:38: Und gib's zur Adoption frei!
00:09:39: Das ging für mich gar nicht.
00:09:41: Also das wusste ich, dass es auf gar keinen Fall geht.
00:09:44: Weil ist mein Kind und ich wusste, wenn ich das erste Mal sehe, liebe ich dieses Kind.
00:09:50: Ich hätte nie anderen Leuten anvertrauen können.
00:09:53: Es war halt auch so, dass ... Man kann nur bis zur zwölften Schwangerschaftswoche abtreiben.
00:10:00: Und rausgefunden hab ich's in der Siebten, also da ist ein unglaublicher Zeitdruck, indem du das entscheiden musst und die Hormone spielen einfach komplett verrückt.
00:10:10: Mir war die ganze Zeit Speiübeln ... Ich konnte hier nix essen!
00:10:14: Ja, das sind alles so äußerliche Dinge, die einen extrem belasten.
00:10:20: Und dazu muss man eben diese weitragende Entscheidung treffen?
00:10:25: Also du warst ja damals in den USA und dann galt in dem Bundesstaat, in dem Du warst, die zwölf Wochenregel.
00:10:34: Dass man bis zur zwölften Woche einen Schwangerschaftsabbruch haben kann?
00:10:38: Und es gab auch keine Pflicht zur Beratung richtig?
00:10:42: Da bin ich mir jetzt unsicher, weil als ich dann in dieser Schwangerschaff- abbruchsklinik oder wie auch immer das genannt war ... Als ich da ankam, da haben sie mir die Beratungen schon angeboten Aber gleichzeitig habe ich auf die so klar gewirkt, dass sie gesagt haben, ah, Sie haben sich das gut überlegt und ja, Sie müssen die Beratung ja nicht annähmen.
00:11:06: Und wenn du heute darauf zurückblickst hattest du damals das Gefühl wirklich frei entscheiden zu können.
00:11:13: oder das ist eine eigene freie Entscheidung von dir war?
00:11:17: Oder hast du es eher so erlebt, dass die Umstände für dich entschieden haben?
00:11:22: Definitiv die Umstände, weil der Druck... Allein schon dass mein Freund sagt er will es nicht.
00:11:29: Für ihn ist jetzt der denkbar schlechteste Zeitpunkt.
00:11:32: Das war natürlich eine sehr große Belastung für mich und dann halt auch.
00:11:36: Ich musste mein Studium irgendwie fertig kriegen.
00:11:39: Es ging mir körperlich nicht besonders gut Und ich konnte mir nicht vorstellen wo ich Hilfe herkrieg also wo ich Unterstützung herkreege.
00:11:47: Das waren alles so ... Ich musste ja auch noch unterrichten.
00:11:50: Als ich hatte so ein Heavy-Job, da musste ich ... Ich hatte zwei Klassen, dazu musste ich körperlich fit sein und der Tag ging weiter.
00:11:57: Also das Leben ging ja weiter.
00:11:59: Und die ganze Zeit brennt diese Frage, musst du jetzt entscheiden?
00:12:03: Das waren schon die Umstände.
00:12:06: Glaubst du es hätte damals irgendetwas gegeben, dass dir Mut oder die Sicherheit gegeben hätte, dich für das Kind zu entscheiden?
00:12:14: Definitiv eine Beratung also... Ich seh noch das Gesicht von der Frau vor mir, die gesagt hat.
00:12:20: Sie haben das Recht auf eine Beratung und ein Teil von mir wollte es auch.
00:12:26: aber weil mein Freund halt so vehement war, jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, war noch dieses kleine Fenster vielleicht dann ein Andermal.
00:12:38: Aber ich denke schon also wenn ich mich hätte beraten lassen Dann hätt' ich für das Kind entschieden denn ich wollte das ja behalten.
00:12:46: In mir war schon die Sehnsucht und der Wunsch, dieses Kind zu behalten.
00:12:51: Aber die äußeren Umstände waren eigentlich ... Also ich hab da keine Möglichkeit gesehen.
00:12:57: Wie hast du denn den Tag des Schwangerschaftsabbruchs erlebt?
00:12:59: Und was ist dir davon besonders in Erinnerung geblieben?
00:13:04: Zum einen wie gesagt, die Dame, die mich da in Empfang genommen hat, sie haben das Recht auf ein Gespräch.
00:13:12: Sie wirken wie eine Frau, sehr klar ist im Leben und wenn sie sich das gut überlegt haben, dann müssen Sie ja die Beratung nicht machen.
00:13:21: Und was mir auch immer wieder vor Augen ist, ist dieser Raum wo wir gewartet haben.
00:13:25: also da waren ganz viele Frauen und mein Freund hatte mich einfach nur abgeliefert wollte nicht mit reinkommen was ich eben nachher dann auch ganz furchtbar fand.
00:13:35: aber in dem Raum waren die Frauen in Begleitung also vor allem da war ein sehr sehr junge Mädchen.
00:13:42: die waren natürlich mit ihrer Mutter Und ich glaube, ich stand da ziemlich neben mir.
00:13:48: Irgendwann haben die mich dann in so ein Zimmer geführt, wo sie meine Spritze gaben.
00:13:52: Ich weiß nicht was da drin war und dann haben Sie den Ultraschall gemacht.
00:13:56: Dann wollte ich natürlich wissen, was sieht man denn schon für mich kürzester Zeit?
00:14:02: Was kann man denn da schon am Ultraschild sehen?
00:14:04: Dann hat er halt den Monitor zu mir gedreht und hat gesagt dieser Stecknadelkopf große dunkle Fleck, das ist ihr Kind!
00:14:14: auf der Stelle von dieser Liege runter sprengen und sagen, alle weg.
00:14:18: Ich will das Kind
00:14:18: behalten.".
00:14:19: Und es hab ich nicht gemacht!
00:14:20: Ich habe mich dann im Prinzip gegen meinen Instinkt entschieden und es war so bezeichnend auch für meine Kindheit und wie ich aufgewachsen bin – mein Wunsch war eigentlich nie wichtig.
00:14:34: Es war etwas was ich schon in mir getragen hab.
00:14:37: Ich hab meine Wünsche unterdrückt und das gemacht, was die anderen wollten.
00:14:42: Genau, das war da auch so.
00:14:43: Und dann ... also was ganz schrecklich war, war die eigentliche Ausschabung.
00:14:50: Also anscheinend haben die Medikamente nicht gewirkt, es war extrem schmerzhaft.
00:14:54: Ich hab da wirklich auch geschrieben und dann hat die Ärztin diesen Satz gesagt, den ich von meiner Mutter kannte als sie mein Bruder zur Welt gebracht hat.
00:15:02: Da hat sie wohl auch ziemlich geschrieben.
00:15:05: Dann hat damals die Krankenschwester zu ihr gesagt, stellen Sie sich nicht an vorher, hat's Ihnen auch nicht wehgetan?
00:15:10: Und genau den selben Satz hat diese Ärztin auch zu mir gesagt.
00:15:15: Das
00:15:15: ist ja unfassbar!
00:15:17: Ja, das war schon ... echt, es war richtig krass und ich hab jetzt auch nicht verstanden warum der gleiche Satz zu mir gesprochen wird.
00:15:25: Als man mich dann von der Liege so hoch also den Oberkörper hoch gemacht hat, dann habe ich gesehen dass hinter der Ärztine alles voller Blut gespritzt war.
00:15:35: Also das hat wirklich ausgeschaut wie im Schlachthaus.
00:15:39: Ab dem Moment hab ich nur noch geheult.
00:15:42: Also, ich habe so tiefes Schluchzen ... Das kannte ich von mir gar nicht!
00:15:46: Und als sie mich aus dem Raum rausgeführt haben, wusste ich, weil dieser Satz in meinem Kopf war, du hast ein Geschenk Gottes ausgeschlagen und ich war damals noch nicht, glaube ich.
00:15:56: Aber ich wusste, das war jetzt Gottes Geschenke und ich hab's einfach weggeschmissen.
00:16:01: Dann war ich im Aufwachraum und nichts konnte mich beruhigen.
00:16:05: zwei verschiedene Spritzen gegeben.
00:16:07: Ich musste ständig irgendwelche Tabletten schlucken und ich war die einzige, die völlig aufgelöst geschluchtzt hat.
00:16:14: Alle anderen waren da in dem Aufwachraum oder im Erholungsraum still.
00:16:23: In mir war gar nichts mehr ganz.
00:16:25: Es war einfach ganz schrecklich!
00:16:27: Und in den Wochen- und Monaten danach?
00:16:30: Wie ging es dir dann?
00:16:32: Ja das war eigentlich ein bisschen ... Erstaunlich.
00:16:35: Also, ich war schnell wieder bei mir ... Es ging mir schnell wieder gut, muss ich sagen.
00:16:42: An dem ersten Tag, wo mich mein Freund abgeholt hat, da gings mir noch sehr elend.
00:16:47: Da war ich sehr an ihm gehangen und wollte eben auch sagen, obwohl ich es nicht über die Lippen gebracht hab, wir haben unser Kind getötet!
00:16:56: Ich hab's nicht verbalisieren können.
00:16:59: Das weiß, dass wir das gemacht haben.
00:17:03: Aber es ging mir dann schnell wieder gut.
00:17:06: Und ich war wieder ganz die Alte eigentlich so, also ... Ja.
00:17:11: Ich muss mich ja auch konzentriert auf meine Studien.
00:17:13: Ich musste ja wieder funktionieren.
00:17:15: Also das war schon dieses Gedankliche auch des Wegdrücken quasi, ne?
00:17:21: Vielen Dank, dass du das mit uns so offen teilst!
00:17:25: Du hast uns erzählt, dass danach noch viele Jahre unter dem Verlust deines Kindes gelitten hast Auch wenn du am Anfang vielleicht noch funktionieren wolltest, musstest und den Eindruck hattest es geht dir wieder gut.
00:17:41: Jahre danach ist das immer wieder aufgeploppt.
00:17:45: Wie hat sich die Trauer in diesen Jahren danach gezeigt?
00:17:49: Also was ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte war dass das eine Entscheidung ist die man einmal gar nicht rückgängig machen kann.
00:17:57: Das war eine Verzweiflung in mir, dass es ... Man kann so viele Sachen im Leben, die man falsch entschieden hat, noch mal reparieren.
00:18:03: Aber das geht nicht!
00:18:04: Man kann das nicht reparieren, das hat man entschieden und ist ein für alle Mal.
00:18:09: Und dann, dass's einfach nett weggeht?
00:18:11: Also es war ja net damit getan, dass ich mein Leben so entschieden hatte, sondern jede Freundin, die schwanger wurde und davon erzählt hat Da hätte ich am Lipsen gesagt, die Symptome hatte ich auch.
00:18:23: Aber ich konnte ja nicht, weil dann hätte ich meine Geschichte erzählen müssen und dazu war ich ja nicht bereit.
00:18:28: Weil das war so eine Schande, so eine Charme in mir ... Und immer wenn da ne Freundin den Kind bekommen hat und ich das vielleicht auch im Arm hatte oder so.
00:18:38: Das war einfach gruselige schreckliche Schmerzen, Seelenpeien quasi.
00:18:45: Oder wenn ich mir ein Kind auf einen Schoß gesetzt hab, da hat einmal meine Mama gesagt Die Elke ist so gut mit kleinen Kindern.
00:18:52: Da hätte ich auch auf der Stelle losholen können, weil ... Es gab danach nie mehr einen Mann, der sich mit mir hätte vorstellen können, Kinder zu haben und ich war ja zu der Zeit als ich schwanger war schon ein Dreißig.
00:19:06: also dann noch mal jemanden kennenzulernen Ich bin ja dann wieder zurück nach Deutschland Und es sind einfach so viel Umbrüche in meinem Leben passiert dass das einfach auch schwierig war.
00:19:16: wo lerne ich jetzt noch jemanden kennen?
00:19:19: Die Zeit ist ja gerast, also mit zweiunddreißig ist man schon relativ alt.
00:19:24: Und dann wurde jedes Jahr gegen diese Hoffnung noch mal ein Kind zu haben, wurde immer weniger und dieser Schmerz kommt noch obendrauf quasi.
00:19:35: Man hat schon im Prinzip was gemacht, was einen komplett zerrissen hat.
00:19:41: Du kannst es weder reparieren, noch kannst du's wieder gutmachen im Sinne von du kriegst halt ein anderes Kind.
00:19:48: Also diese eine Freundin die mit mir in dem Haus gewohnt hat, die schon Abtreibungen hatte und mir zu dem Kind geraten hat, hab ich später auf Facebook nochmal entdeckt und die hat nochmal drei Kinder bekommen.
00:20:00: also dann... Also das ist immer der Schmerz hört nicht auf da geht immer weiter.
00:20:04: und dann dachte ich mir naja gut eines Tages haben alle deine bekannten Kinder und dann ist es gut.
00:20:09: Aber das ist nicht gut, weil jetzt sind die alle
00:20:11: Omas.".
00:20:13: Also es hört überhaupt nie auf!
00:20:16: Dieser Schmerz geht einfach immer weiter.
00:20:19: Gab es einen Moment an dem du gemerkt hast, jetzt beginnt etwas zu heilen?
00:20:25: Auch wenn noch manches offen geblieben ist und immer noch offen ist?
00:20:30: Gab es etwas was dir geholfen hat, Frieden zu finden innerlich?
00:20:34: Also während ich so mit euch geredet habe, während ich das vorbereitet hab jetzt für den Podcast und die Geschichte wenn ich die hochhole in mir.
00:20:42: Das sind auf jeden Fall immer wieder treinend, dass immer wieder Leid und Schmerz.
00:20:48: aber was mich glaube ich überhaupt gerettet hat damit klar zu kommen ist dass ich zum Glauben gekommen bin also nachdem ich mein Leben Jesus gegeben habe und in verschiedenen Situationen dass auch ihm hinlegen konnte, also wirklich drüber weinen konnte und auch Gebet darüber bekommen habt meine Schuld zu bekennen.
00:21:11: Und jetzt weiß das Jesus mir vergeben hat weil er alle Schuld am Kreuz getragen hat.
00:21:18: Das ist ein Stück weit Friede und ein Stück heilung Auch wenn ich weiß es nie ganz heil wird.
00:21:26: Es wird immer einer meiner größten Schmerzen sein aber Ich bin jetzt nicht mal ganz so verzweifelt, weil ich weiß, Jesus ist auch dafür ans Kreuz gegangen.
00:21:38: Also das tut schon gut und ich glaub ohne dass kann ich mir grad gar nicht vorstellen, dass sich weiter leben können also in einem Anführungszeichen ein normales Leben führen können, weil es ist einfach so einschneidend, es ist so überall.
00:21:56: wie gesagt Jetzt haben meine Freundinnen Enkel Und jetzt geht's im Prinzip wieder los.
00:22:06: Ja, das ist ja öfter so bei Trauerprozessen, dass es immer mehrere Schichten sind und man da immer wieder was Neues freilegt.
00:22:15: Ich find' das auch schön wie du das beschrieben hast, wie du mit diesem eigenen Schuldgefühl umgehst und da auch dein christlicher Glaube dir dabei hilft, das abzugeben.
00:22:26: Die andere Dimension ist ja auch noch die Schuld, die andere tragen.
00:22:31: Also andere sind ja auch an dir und dem Kind schuldig geworden, wie du das vorhin erzählt hast in der Geschichte.
00:22:38: Und auch dafür gibt es Vergebung, auch dafür ist Jesus ans Kreuz gegangen.
00:22:44: Und trotzdem bleibt auch ein Schmerz da.
00:22:47: Ich finde das total bedeutsam, dass es schon viele Jahrzehnte her, als das passiert ist.
00:22:53: Du bist mittlerweile so weit, dass du das erzählen kannst, auch öffentlich erzählen kannst ... ein großes starkes Zeichen auch dafür, dass du da schon weit gekommen bist in dem Prozess.
00:23:03: und trotzdem finde ich merkt man eben das da immer auch was offen bleibt.
00:23:07: Und diese Schuld die auch andere an dir getan haben, also dass da noch etwas offen ist und dieser vollkommene Friede wahrscheinlich darüber hier auf der Erde noch nicht eintreten wird sondern dass wir darauf warten.
00:23:26: Ich glaub das auch.
00:23:28: Es heißt ja, dass ich meinem Kind begegnen werde im Himmel.
00:23:33: Das war am Anfang eine sehr tröstliche Vorstellung für mich aber jetzt hab' ich schürbar ein bisschen Schiss davor.
00:23:42: So nach dem Motto was wird dieses Kind mir sagen?
00:23:46: Aber ich vertraue darauf, dass wir eben geheiligt sind durch Jesu Tod am Kreuz und dass wir Vergebung erfahren ... Und dieser Friede kriege ich erst im Himmel.
00:23:59: Den krieg ich dann erst, wenn ich bei Jesus bin.
00:24:02: Weil hier auf der Erde ... Ich merke das immer wieder.
00:24:05: Das zerrt an mir.
00:24:07: Was mir auch mal geholfen hat, da war man so ein gemeintlicher Wochenende, wo ich es noch ans Kreuz gebracht hab und als ich zurückging, hat von einem befreundeten Ehepaar von mir einen Mann geweint.
00:24:24: im Prinzip fragend angeguckt und bin auf ihn zu.
00:24:27: Und dann hat er gesagt, ich weiß gar nicht warum, ich weine ... Ich hab aber gesagt, du meinst, weil jetzt war endlich mal der Kindsvater auch dafür?
00:24:37: Das hat mir noch mal richtig gut getan!
00:24:39: Weil ... Im Prinzip war es ja ... Was du gesagt hast, hat mir jetzt auch gutgetan, dass es ja noch andere Schuldige gibt.
00:24:48: Und zu erleben, dass diese andere Seite ... Es gibt ja noch einen Vater von dem Kind Dass ich sehen durfte durch diesen Bekannten, dass der Vater vielleicht auch mal eine Träne da drüber weint.
00:25:00: Das hat noch mal gut getan ja.
00:25:02: Ja das kann ich mir gut vorstellen so stellvertretend.
00:25:07: Jemand,
00:25:07: der da tränen
00:25:09: weint...
00:25:11: Hast du deinem Kind eigentlich einen Namen gegeben?
00:25:14: Ja hab' ich!
00:25:15: Ich habe immer gedacht es wäre ein Junge geworden.
00:25:18: Da war ich einfach fest davon überzeugt und ich habe immer als Ja, ich hab gedacht er heißt Noa.
00:25:25: Ich habe sogar einen Baum für ihn gepflanzt weil das hat irgendein Sänger oder irgendeinen Schauspieler hat mal gesagt ja ... Das Tollste im Leben ist wenn du ein Vater werden konntest und den Baum gepflanzt hast.
00:25:37: dann hab ich mir gedacht ich muss einen Baum pflanzen für mein Kind!
00:25:40: Und es war ganz interessant weil eines Früheres aus meiner eigentlich toten Erde ist plötzlich eine Pflanze rausgekommen.
00:25:49: Was hab ich denn da eingepflanzt und hab die lang wachsen lassen?
00:25:51: Und dachte, ich weiß gar nicht, was da jetzt wegwachsen soll.
00:25:55: Und es war von einer Nuss, die ein Eichhörnchen versteckt hatte in meinem Pflanzkübel ... ist da eben so'n Nussbaum-Schössling rausgekommen.
00:26:04: Dann dachte ich mir, ah, den pflanze ich für mein Kind!
00:26:09: Toll.
00:26:10: Ja.
00:26:11: Die Bedeutung vom Wort Noah heißt ja auch Gott tröstet.
00:26:17: Ist mir aufgefallen in unserem Vorgespräch, als du uns das erzählt hattest.
00:26:22: Vielleicht noch mal so.
00:26:22: eine extra Ebene ist eine Bedeutung die dir helfen kann mit dem Thema Frieden zu finden?
00:26:31: Wenn du heute auf dein Leben zurückblickst was würdest du sagen hat dich diese Geschichte gelehrt oder was hat sich verändert in dir?
00:26:40: also Die große Lehre aus dieser Geschichte ist keine Entscheidung impulsiv oder zu schnell zu treffen.
00:26:48: Leider passiert es mir trotzdem noch, dass ich Entscheidungen zu impulsiv treffe aber es ist schon besser geworden.
00:26:55: also ich ermahne mich Entscheidungen wirklich wenigstens eine Nacht drüber zu schlafen oder Rat einzuholen.
00:27:04: das ist die große Lehre aus dieser Geschichte.
00:27:07: ja
00:27:08: wenn du heute einer jungen Frau begegnen würdest in einer ähnlichen Situation ist wie du was würdest du ihr raten oder ihr mitgeben wollen?
00:27:18: Ich möchte Frauen, die in so einer Situation sind mit meinem persönlichen Bericht sagen, dass sie sich bitte Hilfe suchen.
00:27:27: Und ich meine damit nicht nur mit einer Freundin oder mit der Mutter oder mit einer Tante oder mit einem verwandten Reden sondern wirklich, sich Hilfe zu suchen mit geschulten Leuten weil im Gespräch mit euch beiden ist mir klar geworden das noch mal eine völlig andere Perspektive bringt und Ich glaube, das hilft noch mal zu dieser Entscheidung zu finden.
00:27:53: Die man dann eben trifft.
00:27:54: also wie man sie auch trifft und ich würde Frauen in solchen Situationen gern sagen egal wie du dich entscheidest es ist eine Entscheidung fürs Leben.
00:28:06: Ich glaube in unserer heutigen Gesellschaft wird es so ein bisschen bakatellisiert ja wir können abtreiben.
00:28:16: Also, ich bin ja noch groß geworden in der Zeit.
00:28:18: Mein Bauch gehört mir war die große Überschrift und Ich glaube dass ich auch diese Entscheidung deswegen so leicht getroffen habe weil ich gedacht hab Ja mein bauch gehört mehr meine entscheidung das ist schon alles richtig.
00:28:32: Aber es ist egal ob ich mich für oder gegen das kind entscheide Es ist eine Entscheidung fürs leben.
00:28:39: Die ist nicht nur getroffen für den moment Und man denkt ja immer, wenn ich das Kind bekomme wird mein Leben sich verändern.
00:28:46: Aber auch wenn ich es nicht bekomme verändert ist das Leben und das würde ich schon ganz gerne durch meine Geschichte deutlich machen weil ein Tod von einem kind also Ich habe das bei bei Freundinnen erlebt die die eine oder mehr abgänge hatten Es ist immer ein einschnitt es ist immer es ist Teil deines lebenses ist teil deiner vita.
00:29:11: und ob du's jetzt verlierst, weil deinem Körper es abstößt oder ob du dich gegen das Kind entscheidest.
00:29:17: Es ist eine Wunde die bleibt.
00:29:21: Ja liebe Elke vielen Dank für deinen Mut und dafür dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast so ganz persönlich.
00:29:30: Ich fand's total bewegend und auch ermutigend Und wir wünschen dir von Herzen Dass Du Dein Weg weiterhin im Vertrauen auf Gottes beim Herzigkeit und auf seine Liebe und Annahme gehen kannst und dass du mit dieser gleichen Barmherzigkeit auch auf dich selbst und auch auf andere schauen kannst.
00:29:50: Dankeschön, danke euch!
00:29:52: Danke Elke und danke auch an euch liebe Hörerinnen und Hörern, dass ihr heute mit dabei gewesen seid.
00:30:00: Wenn ihr selbst eine Geschichte erlebt habt die ihr mit uns teilen möchtet, dann freuen wir uns von euch zu hören.
00:30:07: Kommt gerne auf uns zu so wie Elke das getan hat.
00:30:10: Wir freuen uns über Menschen, die mit uns ins Gespräch kommen!
00:30:15: Und
00:30:16: als letztes noch unser Podcast lebt von Spenden und wenn ihr möchtest dass wir weitergefolgen aufnehmen, diese Arbeit weitergehen kann, dann helft uns doch gerne mit einer Spende.
00:30:26: Die Infos dazu findet ihr wie immer in unserer Beschreibung.
00:30:29: Tschüss und bis zum nächsten
00:30:31: Mal.
00:30:32: Das war Lebensfragen der Podcast.
00:30:34: Vielen Dank fürs Zuhören!
00:30:36: Wenn ihr noch Themen habt, mit denen wir uns mal beschäftigen sollten oder Geschichten oder Anmerkungen zu unserem Podcast dann meldet euch
00:30:44: doch gerne.
00:30:45: Ihr findet unsere E-Mail Adresse in den Shownums.
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